Trans Himayala Tour 2008
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Trans Himalaya Tour 2008
Die
Reisevorbereitungen dauerten bis zur letzten Minute . Waren die „Fuhren“ überhaupt
fahrbar ?
Auf der Fahrt zum Autoreisezugterminal nach Düsseldorf kristallisierte
sich dann heraus „Ja , die Bikes sind startklar und fahrbar „
Wie man an anderer Stelle auf unserer Homepage nachlesen kann, hatten
wir 80 Tage Zeit für unsere TransHimalayaTour 2008 und es war
uns sehr wichtig, die Reise in die angestrebten „Traumgebiete“ auf
unseren Motorrädern zurückzulegen.
Voll
gepackt die Motorräder -- voll gepackt Nuri und Willi mit
vielen guten Wünschen unserer Familien, Freunde und der vielen
Sponsoren
begann die Trans Himalaya Tour pünktlich gegen 17:00 Uhr auf für
Biker beliebte Weise im Autoreisezug Düsseldorf – Villach
, gesponsert von DB Autozug.
Die Motorradfahrt zum Himalaya begann am anderen Morgen um 08:15 Uhr
ab Villach , wobei der aktuelle Kilometerstand auf der HPN 49841 km
anzeigte.

Bild Fahrtroute: BALKAN
Die
Fahrt führte uns zuerst über
den Loiblpass nach Slowenien.
In Slowenien tankten wir erstmals unsere jeweils 43 l Tanks voll .
Vorbei an Ljubljana in Richtung Zagreb , erreichten wir um 11:30 Uhr
, die Grenze Slowenien/Kroatien . Bei einer Temperatur von 30 Grad
reihten wir uns in die lange Schlange an der Grenze ein. Bei der Weiterfahrt
kühlte uns der Fahrtwind etwas ab , vorbei an Zagreb ging die
zügige Fahrt nach Slavonski Brod zur serbischen Grenze.
15:00 Uhr erreichten wir die Grenze Kroatien/Serbien , wobei eine lange
Autoschlange vor der Grenze eine längere Übergangszeit andeutete.
Nuris
Thermometer am Motorrad zeigte 40 Grad .
Freundliche Autofahrer, vor allem Türken, hatten dann doch Mitleid
mit uns und liessen uns an der Schlange vorbeifahren , so dass wir
30 Minuten später , den Grenzbereich incl. Change verlassen
konnten.
Pünktlich zur Rushhour durchquerten wir Belgrad und fuhren weiter
in Richtung Sofia.
Gegen 18 Uhr waren wir ca. eine halbe Stunde Fahrtzeit hinter Belgrad
, als wir in Nähe eines Motels unser Zelt zu einem Gesamtkostenpreis
von 5€ aufschlagen durften.
Die TransHimalayaTour hatte begonnen und wir waren „heiss“ auf
das was kommen würde. Die ersten 700km steckten wir locker mit
einem Schnitt von 98 km/h weg. Gegen 19:30 Uhr sassen wir am Kocher
und entschieden uns für das
Adventurefood Menue „Huhn mit Curry“.
In
den frühen
Morgenstunden bei KmStand 50535 gings weiter , die Reisedurchschnittsgeschwindigkeit
reduzierte sich, wir erreichten
die Grenze Serbien / Bulgarien noch vor dem Mittag.
Es
folgte die ca. 360km lange Fahrt durch Bulgarien, immer der türkischen
Karawane folgend zum Heimatland Nuris. Nach Erreichen des Grenzgebietes
Bulgarien/Türkei ließen uns Nuris freundliche Landsleute, überwiegend
Türken mit deutschen Autokennzeichen, die Grenzschlange passieren.
Eine Grenzabfertigung bei hohen Temperaturen und zigmaligem Vorzeigen
der Papiere konnten die Vorfreude aufs Nuris Heimatland nicht trüben,
und auch Nuri wurde wieder grösser auf seinem Motorrad.
So
konnten wir um 18 Uhr MEZ, 19:00 OZ (Türkei plus 1)
den Grenzbereich verlassen und fuhren noch bis Edirne.
Diese Tagesetappe endete nach 687km, Schnitt 87,4 km/h und einer reinen
Fahrzeit von 7:50 Stunden in einer kleinen Pension in Edirne.
Ein kleiner Stadtspaziergang rundete den
Landschaftlicher Gesamteindruck der Reise bis hierhin : Nach Überquerung
der Alpen in Slowenien verlief die Fahrt landschaftlich gesehen bis
ca. 50 km vor der Türkischen Grenze sehr eintönig—weites –flaches
Land prägte das Bild.
Bei Annäherung an die Türkei wurde die Landschaft bergiger
und somit abwechslungsreicher.
Dieser Gesamteindruck lag aber auch hierin begründet, dass wir
auf schnellstem Wege unser Reiseziel Himalaja erreichen wollten.
TÜRKEI

Bild
: Fahrtroute TÜRKEI 1
Früh am Morgen verliessen wir Edirne mit dem Ziel Türkische
Schwarzmeerküste , wo Nuri mit einheimischen Motorradfreunden
verabredet war.
Ü ber eine gut ausgebaute Autobahn fuhren wir nach Istanbul.
09:30
Uhr erreichten wir die Stadtgrenze von Istanbul. Nach Passieren der
Mautstelle blieb
Nuri stehen und berichtete über Probleme
mit der hydraulischen Kupplungsbetätigung. Ein Weiterfahren war
nicht möglich.

Nach
1 ½ stündiger Wartezeit schleppte uns der Türkische
ADAC ein zu BMW Istanbul, welch imposantes BMW Auto-und Motorradhaus
mit eigenem Sicherheitsdienst und allem Schnickschnack. Eine erste
Inaugenscheinnahme durch den dortigen Werkstattleiter nährte die
Hoffnung auf baldige Weiterfahrt.
Aber erst mal war bis 13:30 Uhr Mittagspause.
Die Hoffnung erfüllte sich nicht , so dass wir die TransHimalayaTour
für mindestens drei Tage unterbrechen mussten.
Ein
türkischer Motorradfreund von Nuri half bei der Organisation
einer Pension und spendierte den „Gestrandeten“ ein fürstliches
Essen.
Der
erste Zwangsruhetag der Reise gehörte der Erholung und Istanbul,
Bosporusbrücke und Blaue Moschee.

Auch
der nächste
Tag begann ruhig und erholsam, besprachen die weitere Reiseplanung
und schickten die ersten Berichte per Internet.
Gegen 14 Uhr erfuhren wir bei BMW, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch
niemand an Nuris Motorrad gearbeitet hatte, da das Ersatzteil noch
nicht eingetroffen war. Auch hatte man das Motorrad, wie besprochen,
nicht im unteren Bereich der hydraulischen Kupplungsbetätigung
kontrolliert.
Um 17 Uhr erreichte uns die Nachricht, auf die wir gewartet hatten,
Nuris Motorrad war fahrbereit.
Auf einem bewachten Parkplatz nahe unsere Pension „rödelten“ wir
noch am gleichen Abend die Motorräder auf .
Es
ist der 05.August , als wir uns um 05 Uhr Ortszeit auf dem bewachten
Parkplatz unserer
Motorräder trafen und um 05:15 Uhr, bei kmStand
51473, genau mit dem Frühgebet des Muezzin , welches sich über
Istanbul lautstark ausdehnte , fuhren wir los und freuten uns, fahren
zu können. 15 Minuten später überquerten wir den Bosporus—welch
erhabenes Gefühl – von Europa nach Asien überzusiedeln.
Aufgrund des geringen Verkehrs kamen wir gut voran und als Nuri um
06:30 Uhr auf einen Rastplatz fuhr, freute ich mich auf den Frühstückstee.
Als wir anhielten, hörte ich ihn lautstark fluchen: „Wieder
die gleiche Scheisse.“ Ich dachte, ich höre nicht richtig
und ignorierte es .
Beim Ausziehen des Helmes wiederholte Nuri seine Worte und hängte
an: „Wieder die Kupplung.“ Wortlos gingen wir Tee trinken.
Jeder hatte wohl seine eigenen Gedankenspiele. Auch die zweite Tasse
tranken wir wortlos. Hunger hatte keiner.
Erst dann die ersten Worte: Was machen wir jetzt ?? Sogar von Tourabbruch
war die Rede, denn uns war bekannt, dass das untere Ersatzteil in Istanbul
nicht vorrätig war und bis zu zwei Wochen dauern könnte bis
das Motorrad repariert wäre.
Wir schoben aber diese Gedanken schnell beiseite, denn ein Stück
aus Gummi oder Plastik kann doch nicht die TransHimalayaTour stoppen.
ADAC Istanbul angerufen – Abschlepper kam—und ich tuckelte
die 120km zurück nach Istanbul hinter dem Abschleppwagen her.
Um 11 Uhr liefen wir bei BMW Istanbul ein. Man schien ein schlechtes
Gewissen zu haben, denn sofort kümmerte man sich um uns. Leider
konnte vor der Mittagspause die Ursache noch nicht festgestellt werden,
so dass wir uns weiter in Geduld üben mussten.
Gegen 14 Uhr wurde uns mitgeteilt, dass der untere Dichtring der hydraulischen
Kupplung undicht war. Wie erwähnt war dies Ersatzteil, was gleichzeitig
laut BMW mit dem Geber gewechselt werden muss, nicht vorrätig. Da man
aber unsere Situation kannte, wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt , und siehe
da, man fand in der Werkstatt ein komplettes Ersatzteil von einer Unfallmaschine
, dessen Tacho gerade mal 2TKM aufwies.
Nuris 1150er war um 16:15 Uhr wieder fahrbereit, wurde ausgiebig vom Meister
getestet und um 17: 15 Uhr verließen wir Istanbul ein zweites Mal, wieder
verbunden mit den Gebeten des Muezzin, und dem Vorsatz noch 200 km zu „machen“.
Wie überquerten wieder den Bosporus und fuhren ca 200km auf guter Autobahn,
fuhren von der Autobahn ab und fanden an der Fernreisestrasse 100 eine einfache
Unterkunft. Einfaches Essen und gemütliches Zusammensitzen mit einer türkischen
Männerrunde lassen uns wieder optimistisch in die Ferne schweifen, um
anschließend todmüde ins Bett zu fallen, obwohl wir uns den Tag über
bei BMW Istanbul gesonnt hatten.
460km für mich und 6 Std. Fahrtzeit, obwohl wir nur 200km von Istanbul
entfernt sind, standen zu Buche.
Am folgenden Morgen um 05:30 Uhr klingelte der Wecker und wir fuhren, km Stand
51933 km, in Richtung Ankara weiter, um später in die Fernstrasse 100
in Richtung Osttürkei einzubiegen.
Über die Autobahn ging die Fahrt recht zügig, auf der Fernreisestrasse
100 hielten wir uns zunächst an die zulässige Höchstgeschwindigkeit
von 70km/h für Motorradfahrer. Da uns dies aber immer wieder aufgrund
folgender LKWs in Bedrängnis brachte, steigerten wir unsere Geschwindigkeit
auf 80-90km/h , auch vorbei an mobilen Radarfallen, ohne dass man sich um uns
kümmerte.
Gegen 14:30 Uhr aber ließen wir uns kurz von einem LKW antreiben und „schwupp
die wupp“ landeten wir mit Tempo 100km/h in eine der zahlreichen Radarfallen.
177 TYL waren der Preis dafür, dass man verstehen muss, dass, wenn ein
LKW naht, man rechts ran fährt, ihn vorbeilässt und sich hinter ihm
wieder einreiht. Das hatten wir ja nun verstanden und sind an diesem Tage nicht
mehr schneller als 70km/h gefahren und so landeten wir um 20 Uhr nach 775km
und 9:30 Stunden reiner Fahrzeit an einer Polizeistation , wo wir in unmittelbarer
Nähe unser Zelt aufschlagen durften und die Motorräder von einem
Polizisten mit umhängender MP sicher bewacht wurden, so dass wir wenigsten
eine Nachtruhe fanden , die aber schon wieder früh endete, da wir ja weiter
wollten. So haben wir uns dann eingeredet, für diese exklusive Bewachung
schon im Voraus auch bezahlt zu haben.

Am
07.08. klingelte der Wecker um 05:30 Uhr—Abbau Zelt und Aufrödeln-führten
dazu, dass wir die Polizeistation um 07:15 Uhr verlassen haben.
Wir fuhren nicht schneller als 70-80 km /h , fuhren über Enziran
in Richtung Enzurum auf der „100“ weiter, die Landschaft
abwechslungsreicher , aber die Strassen ab Enziran befanden sich im
Umbau. Viele Strassenbaustellen/ -sperrungen von ca.30 min unterbrachen
die Weiterfahrt. Ab Enzurum fuhren wir durch schöne Berglandschaften
, die Strassenverhältnisse blieben so olala. Wir bekamen langsam
Spaß an der Geschwindigkeit, weil die Landschaft sehr schön
ist.
Bei einer Passfahrt gegen 14 Uhr wurden wir zum ersten Mal auf unserer
Tour von einer Regenschauer überrascht, die aber schnell durchfahren
war. Der blaue Himmel und die 30 Grad waren nun erst einmal verschwunden.
Wir näherten uns der osttürkischen Stadt Agri und erahnten
Böses, als unser Blick Richtung Himmel ging.
Soeben noch erreichten wir eine Tankstelle, als ein starker Gewitterschauer
niederprasselte. Vom Tankwart bekamen wir Tee und das Angebot , an
seiner im Besitz befindlichen zweiten Tankstelle in ca. 15 km Entfernung
zu übernachten.
Nachdem der Gewitterschauer sich verzogen hatte, fuhren wir zum Übernachtungsquartier,
wo wir nach 500 Tageskilometer und 7 Stunden Motorradfahren, Abrödeln
und Vorbereitung der Grenzpapiere für den Iran, eine heiße
Dusche fanden.
Irgendwie waren wir geschafft und nach einer kleinen Mahlzeit fielen
wir todmüde ins Bett.
Sehr früh, kmStand 52228, starteten wir , vorbei am Berg Ararat
zur 120 km entfernten iranischen Grenze und nach 2 Stunden Grenzaufenthalt
durften wir in den Iran einfahren.

Es
wäre, nachdem man uns sehr zuvorkommend behandelt hatte, sehr
viel schneller gegangen, wenn nicht ausgerechnet der oberste „Chef“ ,
von dem wir ganz zum Schluss noch eine Unterschrift brauchten , nicht
höchst persönlich einen einfahrenden Bus kontrolliert und
auf den Kopf gestellt hätte. So mussten wir uns gedulden, bis
seine Überprüfungs“wut“ verklungen war. Es hatte
sich anscheinend gelohnt, er fand im überfüllten Reisebus
einen Stoffballen, welcher 40 min . unserer kostbaren Zeit gekostet
hatte.
Aber wie lautete unser Leitspruch : Et kütt wie et kütt
Und so ging es in den Iran, wo wir unsere Uhren um 01:30 Std. vorstellten.